Die Hygiene im Krankenhaus

Veröffentlicht am 21.01.2017 in Allgemein

Jürgen Klemm - immer aktiv iúnd immer offen für ein klares Wort. Foto: Archiv

Jürgen Klemm aus Kirschhofen ist ein Mann der Praxis und der klaren Worte. So kennen wir ihn im Weilburger Stadtparlament. Über Jahrzehnte hat er im Gesundheitswesen gearbeitet und Entwicklungen  genau beobachtet. Zum Thema "Hygiene im Krankenhaus" hat das ARD-Magazins „Plus Minus“ kürzlich berichtet. Einen Leserbrief dazu, der im Weilburger Tageblatt erschienen ist, veröffentlichen wir nachfolgend im Wortlaut:

In der Tat würde ich den Bericht der ARD-Sendung „Plus Minus“ nur sehr kritisch beurteilen. In meiner über 40-jährigen Tätigkeit, vorwiegend auf Intensivstationen, ist mir kein einziger Fall bewusst, wo mir Hygienefachkräfte geholfen hätten, wenn es wirklich mal zur Sache ging. Man darf nicht vergessen, dass sie bei der Verwaltung angesiedelt sind und allen Grund haben, die Bälle flach zu halten.

Genau so geht es den Hygieneinstituten, die dafür engagiert sind – zum Überwachen und zum Beraten. Schnell wären sie ihren Auftrag los, wenn es ans Eingemachte gehen würde. Ich möchte einige Beispiele benennen, welche kein ARD-Magazin oder kein Hygienebeauftragter an den Krankenhäusern anprangern würde:

Wenn eine Nachtschwester oder ein Pfleger im Dienst zwischen 30 Patienten pendeln muss, was bleibt da zuerst auf der Strecke?

Wenn eine Intensivpflegefachkraft doppelt so viele schwerstkranke Patienten versorgen muss, was wird wohl darunter leiden?

Wenn die Flächen für den Reinigungsdienst immer größer werden, aber immer weniger Zeit dafür zur Verfügung steht, die Arbeit zu bewerkstelligen, dann werden „die Ecken immer runder“. Wenn gerade Intensivstationen so gebaut sind, dass man kaum noch an den Patienten herankommt, wie soll man da noch an den Schmutz herankommen?

Wenn Patientenbetten bis zur letzten Minute belegt sind (Bedarfsverlegungen am Wochenende), nur um die Belegung hochzuhalten und dann plötzlich ein Bett gebraucht wird, wie wird es wohl um die Hygiene in diesem Moment gestellt sein?

Mängel sind bekannt

Ganz schlimm, wenn plötzlich ein freies Bett für einen Privatpatienten gebraucht wird ...

Das sind nur einige benannte Mängel, welche jedem bekannt sind, aber jeder gut beraten ist, darüber zu schweigen. Die Kollegen haben schon lange resigniert und sich innerlich abgemeldet. Der hohe Krankenstand spricht seine eigene Sprache. Es ist also nahezu lächerlich, wenn ich die Verwaltungsdirektoren oder die Hygienepäpste in den Krankenhäusern befrage.

Aber ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass sie nur dem Diktat der sogenannten Gesundheitsreform nachkommen müssen. Mutige Änderungen und Korrekturen im Gesundheitswesen sind das Gebot der Stunde.

Jürgen Klemm, Weilburg

 
 

MdL Tobias Eckert