Jürgen Klemm zur Kirmesplatz-Bebauung

Veröffentlicht am 21.06.2020 in Stadtpolitik

Noch ist er da, der Kirmesplatz in Weilburg. Art und Umfang der Nutzung für ein Seniorenprojekt sind umstritten.

Seniorenarbeit ist eine gesellschaftliche Aufgabe - kein Rendite-Projekt

Der Weilburger Demografie-Experte Andreas Tiefensee hat sich in einem Leserbrief im Weilburger Tageblatt am 9. Mai 2020 zur umstrittenen Bebauung des Kirmesplatzes geäußert. Aufgrund der Zunahme der älteren Bevölkerung sieht er für die Einrichtung einen Bedarf in der Stadt, so seine Position. Der Stadtverordnete Jürgen Klemm aus Kirschhofen sieht das anders und hat dazu einen Leserbrief geschrieben, der allerdings vom WT nicht veröffentlicht wird.

Mit Zustimmung des Verfassers veröffentlichen wir nachfolgend den Leserbrief.

Da hat Herr Andreas Tiefensee als ehemaliger Banker pflichtbewusst den Investoren des Kirmesplatzes und sicherlich seinem Bürgermeister schnell einen nicht durchdachten Persilschein für das Seniorenprojekt am Kirmesplatz ausgestellt. Ob es sinnvoll ist, bei immer mehr Leerstand in den Ortskernen und zurückgehender Einwohnerzahl, einen schlecht durchdachten und städtebaulich üblen Flächenfraß innerhalb Weilburgs zu unterstützen, kann diskutiert werden. Aber einfach Zahlen in den Raum zu werfen, das ist durchsichtig, nicht hilfreich und dient alleine den Investoren. Als Hüter des Demografischen Kompasses der Stadt Weilburg wäre doch etwas mehr Weitsicht angebracht.

Wo waren die Zahlen von Herrn Tiefensee als es um Gemeindeschwester 2.0 ging? Nein,verantwortungsvolle Seniorenpolitik und auch Baumaßnahmen dazu, verlangt mehr als Zahlen.

Einige Punkte beispielhaft dazu:

  • Senioren sollten so lange es geht in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können. Hier ist in Weilburg noch einiges anzuschieben und zu verbessern. Dazu gehört der Umbau von Wohnraum, der Aufbau von Pflegediensten, die Einführung der Gemeindeschwester 2.0, für die übrigens ein Stadtverordnetenbeschluss vorliegt. Das sind nur einige Beispiele für Aktivitäten.

  • Die Pflege zu Hause muss unterstützt werden, damit auch die pflegenden Angehörigen nicht überfordert werden und besonders durch ihr Engagement nicht in die Altersarmut abrutschen. Hierzu gehört der Ausbau der Hilfsangebote und mehr.

  • Sollte doch eine stationäre Pflege notwendig werden, dann bitte in Wohnformen wo die körperliche und geistige Mobilität noch möglichst lange gefördert wird und dies bestenfalls im gewohnt sozialen Umfeld.

  • Dazu sind Baumaßnahmen und Wohneinrichtungen zu fördern. Manche Kommunen und Länder gehen da schon beispielhaft voran.

  • Seniorenarbeit sollte kein Rendite-Projekt für finanzkräftige Investoren und Kapitalanleger sein, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe die den Menschen dient.

Kein Getto für Senioren

Im Moment fördern wir durch solche Bebauung wie die des Kirmesplatzes, eine Gettoisierung unserer Senioren außerhalb der Gesellschaft. Ich wünsche mir, dass es möglich sein wird, dass unsere Senioren weiterhin innerhalb der Gesellschaft leben. Sie sollen am gesellschaftlichen Leben teilhaben und nicht neben eine laute Bundesstraße abgeschoben und steril betreut werden.

Jürgen Klemm , Wingertstraße 44, 35781 Weilburg


 

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MdL Tobias Eckert