
Weilburger Tageblatt vom 2. Juni 2012
Das gab es noch nie. Eigentümer der Stadthalle unterbreitet ein Vertragsangebot über die Zeitung.

Das gab es noch nie. Eigentümer der Stadthalle unterbreitet ein Vertragsangebot über die Zeitung.
Einen ungewöhnlichen Weg hat der Eigentümer der Stadthalle „Alte Reitschule“ in Weilburg beschritten, um Kontakt zu der Weilburger Bevölkerung und zu den Stadtverordneten herzustellen. Dabei hat er Verbindung zur Lokalredaktion des Weilburger Tageblatts aufgenommen, um dabei seine persönliche Position zur Stadthalle mitzuteilen. Dieses Verfahren ist unüblich, weil für Vertragsverhandlungen ansonsten Rathaus und Bürgermeister allein zuständig sind.
Was ist passiert?
Das Thema Stadthalle und die Kündigung durch den Eigentümer liegen seit dem November 2010 auf dem Tisch. Die Informationen dazu an das Stadtparlament liefen dabei immer spät und ausgesprochen schwerfällig. Nur durch beharrliches Nachfragen kamen die Informationen des Rathauses an die Stadtverordneten. Die Steuerung der Informationen erfolgte dabei durch den Bürgermeister, der dabei immer die eigene Sicht der Dinge darstellte. Eine objektive Information ist das nicht. Verhandlungsergebnisse, Gesprächsprotokolle mit dem Eigentümer oder mit weiteren Stellen, wie zum Beispiel der Bauaufsicht des Kreises, gab es als Information nicht. So wurde das jetzt vorliegende Brandschutzgutachten, welches durch Beschluss der Stadtverordneten in Auftrag gegeben wurde, lange Zeit wie ein Geheimpapier behandelt und den Stadtverordneten vorenthalten. Vertrauen entsteht durch diese Geheimniskrämerei nicht.
Natürlich hat dies auch der Eigentümer der Stadthalle aus der Ferne beobachtet und festgestellt wie seine eigene Position den Stadtverordneten vermittelt wurde. Da es hier offensichtlich große Informationsdefizite gab, wurde der direkte Weg über die Presse an die Öffentlichkeit gewählt, damit alle Beteiligten genau Bescheid wissen.
Begründung für die Kündigung
So wurde noch einmal klar und deutlich die Begründung für die im November 2010 ausgesprochene Kündigung benannt. Die Stadt ist über Jahre ihren vertraglichen Verpflichtungen zur Durchführung von Brandschutzinvestitionen nicht nachgekommen. Das funktionierte so lange, bis das Kreisbauamt ein Nutzungsverbot aussprach. Ergebnis: Kündigung.
Die Konditionen für die weitere Nutzung sind jetzt klar benannt: Kein Verkauf, stattdessen Sanierung durch die Stadt Weilburg. Keine Trennung von Hotel und Halle, weil hier technische Gründe entgegen stehen. Bereitschaft der Verpachtung für weitere 40 Jahre zu günstigen Konditionen. Das sind die Rahmenbedingungen des Eigentümers. Details dazu fehlen noch und sind zu verhandeln.
Stadt und Stadtverordnete müssen entscheiden
Die Meinungsbildung zum weiteren Fortgang ist derzeit vollständig offen, weil es auch noch Argumente gibt, die noch nicht diskutiert werden. So stahlt die Stadthalle derzeit den „Charme der siebziger Jahre“ aus, der auch durch Brandschutzinvestitionen nicht beseitigt werden kann. Eine umfassende und zeitgemäße Erneuerung steht an. Auch das kostet eine Menge Geld. Zahlen, die bisher nicht bekannt sind. Auch der Betrieb der Stadthalle ist nicht billig. Hausmeister, Energiekosten, Reparaturen, da kommt schnell eine schöne Summe zusammen.
Auf die lange Bank schieben sollten wir die Lösung nicht, denn es ist schon zu viel Zeit ungenutzt vergangen.
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Ein Beitrag von Hartmut Bock, Stadtverordneter und Vorsitzender des Ausschusses Bauen Umwelt, Energie und Verkehr