
Weilburger Tageblatt vom 13. Juli 2014
Die vom Hessischen Landtag kurz vor den Ferien vorgenommene Erhöhung der Grunderwerbsteuer auf sechs Prozent wird junge Familien und Häuslebauer am stärksten belasten.

Die vom Hessischen Landtag kurz vor den Ferien vorgenommene Erhöhung der Grunderwerbsteuer auf sechs Prozent wird junge Familien und Häuslebauer am stärksten belasten.
Familien mit Kindern
Dies wird sich nachteilig auf die Entwicklung im Weilburger Land auswirken. Zu dieser Bewertung kommt der Weilburger SPD-Vorsitzende und Stadtverordnete Hartmut Bock. Gerade Familien mit Kindern und kleinem Geldbeutel suchen oft günstige Immobilien im Umkreis von Weilburg, um ihre Wohnung einzurichten. Dies ist gut, weil in den heimischen Orts- und Stadtkernen in den nächsten Jahren viele Gebäude frei werden und zum Kauf anstehen. Ein attraktives Wohnumfeld, eine gute Infrastruktur, eine günstige Verkehrsanbindung und bezahlbare Preise sind wichtig, um neue Eigentümer zu finden. Gelingt dies nicht, dann werden bei stagnierender Bevölkerung immer mehr Leerstände anfallen und die Dörfer werden ihr Gesicht nachteilig verändern.
Rasanter Anstieg
Bis zum Jahre 2012 waren nur 3,5 Prozent Steuern beim Erwerb von Grundstücken und Immobilien zu zahlen. Doch im Januar 2013 stieg die Steuer auf fünf Prozent und jetzt zum 1. August noch einmal auf sechs Prozent. Dieser rasante Anstieg kann sicherlich in Ballungsräumen leicht verkraftet werden, weil es dort höhere Einkommen und wegen der permanenten Zuwanderung auch eine größere Nachfrage gibt. In den ländlichen Regionen ist dies genau umgekehrt. Für die bauliche Entwicklung in der heimischen Region kein gutes Signal, so die Einschätzung von Hartmut Bock.
Nachteile auch für die Stadt Weilburg
Die Steuererhöhung hat auch direkte Auswirkungen für die Stadt Weilburg, denn die Baugrundstücke in den Stadtteilen Hirschhausen und Ahausen, die sich seit Jahren nur sehr schwer verkaufen lassen, werden dadurch für den Erwerber noch teurer. Damit verschiebt sich der Verkauf immer mehr und die Stadtkasse, die auf die Einnahmen dringend angewiesen ist, geht leer aus. Landespolitik muss mehr auf die Belange des ländlichen Raumes Rücksicht nehmen, fordert deswegen Hartmut Bock, weil sich ansonsten das Gefälle zwischen dem Ballungsraum und dem Umland weiter verstärkt.(bk)

Foto: Baugebiet Hirschhausen. Hier hat die Stadt Weilburg noch viele freie Grundstücke, die auf einen Käufer warten. Doch die Nachfrage war in der Vergangenheit sehr schleppend. Die Erhöhung der Grunderwerbsteuer auf sechs Prozent treibt den Preis in die Höhe und der Verkauf kommt nicht voran.