Das Hallenbad überrascht durch Größe und Format

Veröffentlicht am 11.05.2017 in Stadtpolitik

Wuchtig und breit dominiert das neue Hallenbad den gesamten Bereich der Lahnaue vor dem Schloss.

Bauen in Weilburg erfordert mehr Fingerspitzengefühl

Das neue Kreishallenbad ist zweifellos ein Gewinn für Weilburg. Eine Investition für die Zukunft mit vielen positiven Auswirkungen. Die Freizeitqualität, der Tourismus, Sport und Fitness, alle profitieren und der Standort Weilburg wird aufgewertet. In finanziell schwierigen Zeiten für Kommunen ist eine solche Baumaßnahme durch den Landkreis Limburg-Weilburg ein Kraftakt, denn nicht nur die Kosten für die Investition sind zu stemmen, sondern auch die Folgekosten, die erheblich zu Buche schlagen und ohne einen öffentlichen Zuschuss wird der Betrieb nicht gesichert.

Dies alles ist ein Grund dankbar zu sein, denn ein solches Projekt ist heute nicht mehr selbstverständlich.

Es wird immer höher und höher

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Dies stellt der aufmerksame Beobachter bereits jetzt in der Bauphase fest. Denn das Gebäude ist groß, es wächst, es wird immer höher und höher und höher. Hier in der Lahnaue entsteht ein Bauwerk, welches in seinen Ausmaßen und auch den Höhen weit über den Dimensionen des früheren Hallenbades liegt. Der wuchtige Charakter stört den gesamten sensiblen Auenbereich durch die Form und die Dimensionen. Es gibt völlig neue Perspektiven. Gegenüber dem früheren Schwimmbad, welches durch Größe und Dachform kaum aufgefallen ist, entsteht jetzt ein vollständig neues Bild. Hier waren Planer am Werk, die mit wenig Gespür für den Landschaftsraum und die umliegende Bebauung einen funktionalen Zweckbau entwickelt haben, der sich breit und gefräßig die Aue erobert.

Die Oberlahn-Brücke – von Experten gelobt

So entsteht auch ein harter Kontrast zur Oberlahn-Brücke, die in direkter Nähe vorbei führt. Die Ausführung war seinerzeit heftig umstritten. Unterschiedliche Varianten wurden untersucht, Höhenprofile erstellt, Modelle gebaut und die Bevölkerung umfassend informiert. Der Landesdenkmalbeirat schaltete sich ein, es wurde diskutiert und gestritten. Aber es waren Planer und Architekten am Werk, die letztlich ein Bauwerk geschaffen haben, mit dem Weilburg und die gesamte Region seinen Frieden geschlossen hat. Auf kurzem Wege sollte die Brücke über die Lahn, niedrig liegend, um den Auenbereich nicht zu durchschneiden. Und alles in einer feingliedrigen und filigranen Ausführung, die sich unauffällig in das Umfeld einfügt. So die gestalterischen Ziele damals und auch so die Ausführung, die noch heute von Experten als gelungen gelobt wird. Bei der Gestaltung und Planung des Hallenbades wurden diese planerischen Ziele nicht beachtet.

Anfrage im Stadtparlament

Da die Baumaßnahme am Laufen ist, lässt sich an der Ausführung und Gestaltung kaum noch etwas ändern. Viel Grün wird gebraucht, große Bäume mit breiten Kronen, um die Wucht des Baukörpers zu minimieren. Dabei stellt sich die Frage, wie es zu einer solchen Planung kommen konnte, wie Denkmalbehörden, die Öffentlichkeit oder auch die Stadt eingebunden waren und wer sein Okay zu dieser Ausführung gegeben hat. War bereits früh erkennbar, welche Dimensionen entstehen und  wurde dieser Sachverhalt durch eine geschickte Darstellung versteckt? Der Stadtverordnete Hartmut Bock (Verfasser dieses Beitrags) will jetzt mit einer Anfrage im Stadtparlament Licht in die Angelegenheit bringen. Wie wurde die Stadt beteiligt? Gab es eine fachliche Bewertung durch das Rathaus? Hat der Magistrat die Planung gesehen und auch zugestimmt? Das Stadtparlament, das ist jetzt schon klar, wurde niemals zur Gestaltung und Ausführung gehört.

Foto: Schlank und fein. So wird das neue Kreishallenbad der Öffentlichkeit präsentiert. Die Führung der neuen Oberlahn-Brücke wird (bewußt) nicht dargestellt. Damit wird die tatsächliche Größe nicht erkennbar. Quelle: http://www.kreishallenbad-weilburg.de/

Eine kluge Freiflächenplanung

Das Hallenbad ist wichtig für die Stadtentwicklung, darüber sind sich alle einig. Doch die Planung eines monströsen und überdimensionierten Baukörpers schädigt das Stadtbild und das Image dauerhaft. Das ist die Kehrseite der Medaille. Die bauliche Entwicklung in Weilburg erfordert mehr Fingerspitzengefühl, um die einmalige städtebauliche Struktur nicht zu zerstören. Eine vom Verfall bedrohte Innenstadt und grobklotzige Bauten im äußeren Umfeld – das kann nicht das Ziel der künftigen Stadtplanung sein.  Für das Umfeld des Hallenbades ist jetzt eine kluge Freiflächenplanung gefordert, die vom Bahnhof bis zur Steinernen Brücke alle Entwicklungen berücksichtigt, die eine hohe Aufenthaltsqualität schafft und die optische Wirkung des monströsen Schwimmbades minimiert.

Ein Beitrag von Hartmut Bock, Stadtverordneter in Weilburg (Nachzulesen auch auf der Homepage des Verfassers. Siehe hier.)

 

Anlage: Anfrage im Stadtparlament

Foto: Eine eigenwillige Bauform, Stahl und Glas prägten das frühere Kreishallenbad. Eine transparente Ausführung, eine spitze Dachform. Der Baukörper fügt sich unauffällig ein.

 
 

MdL Tobias Eckert