Ein Leserbrief von Joachim Warlies

Veröffentlicht am 23.02.2020 in Stadtpolitik

Hier sollen demnächst Millionen für eine neue Brücke investiert werden. Das Projekt ist nach wie vor umstritten.

Die Diskussion über die neue Lahnbrücke läuft weiter.

Die Stadt Weilburg plant derzeit eine Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die Lahn, mit Kosten von rund 2,3 Millionen Euro. Selbst bei einem Zuschuss von 1,4 Millionen bleibt immer noch eine kleine Million an dem städtischen Steuerzahler hängen. In der Bevölkerung sind Nutzen und Kosten des Projekts höchst umstritten, wie ein Leserbrief von Joachim Warlies aus Weilburg zeigt.

Mit Zustimmung des Verfassers veröffentlichen wir nachfolgend den Text:

Die Stadt Weilburg hat Geld im Überfluss, so hat es jedenfalls den Anschein. Nachdem sie jahrelang hart sparen musste, konnte sie den „Schutzschirm“ wieder verlassen und freut sich jetzt wieder über ihre neu gewonnenen Freiheiten. Wie aber nutzt sie diese Freiheit?

Jetzt steht ein beispielloses Vorhaben an, dem die Mehrheit der Stadtverordneten ausdrücklich zugestimmt hat: der Bau einer neuen Fußgängerbrücke über die Lahn. Bekanntlich ist seit vielen Monaten der alte Fußgängersteg entlang der Eisenbahnbrücke aus Sicherheitsgründen gesperrt, und diese Sperrung hat eines deutlich gemacht: Der Steg wird nicht mehr benötigt, von seiner Sperrung geht keine Störung des städtischen Lebens aus. Denn der Steg wurde nur noch morgens und mittags von einigen hundert Gymnasialschülern genutzt. Die Schüler gehen jetzt über die Oberlahnbrücke und müssen dabei einen fünf Minuten längeren Schulweg in Kauf nehmen. Dies ist zumutbar, die Schüler haben sich an die neue Regelung gewöhnt, es haben sich keinerlei Probleme ergeben.

Die Sachlage ist im Übrigen einfach und eindeutig: Die Sanierung des alten Fußgängersteges obliegt der Bahn. Anstatt die Bahn zu veranlassen, endlich die Sanierung durchzuführen und damit die alten Verhältnisse wiederherzustellen, was die Stadt keinen Cent (!) gekostet hätte, hat sich die Stadt zu einem bemerkenswerten und kostspieligen Schritt entschlossen: Sie will nun eine eigene Brücke bauen. Und im Weilburger Stadtparlament wurde in der Vergangenheit über das Brückenprojekt zuweilen mit einer Ausdauer, einem Eifer und einer hitzigen Intensität diskutiert, die wichtigen Themen würdig gewesen wären. Ich war mehrfach Zeuge dieser gespenstischen Diskussionen. Nur die grundsätzliche Frage, ob man dieses Bauwerk überhaupt benötigt, wurde nie erörtert und war nie Gegenstand der Diskussion! So viel zum Sachverstand des Weilburger Rathauses und der Weilburger Stadtverordnetenversammlung.

Meine Position ist klar und unmissverständlich, sie lautet: Weilburg braucht diese Brücke nicht! Der Bau einer Brücke wäre ein Skandal und ein Schildbürgerstreich zugleich! Denn es geht nicht an, dass die Stadt Hunderttausende von Euros bereitstellt, um eine nicht benötigte Brücke zu bauen! Es spielt dabei keine Rolle, ob der städtische Zuschuss „nur“ 400000 (!) Euro beträgt oder noch höher liegen wird. Jeder Cent für die Brücke ist ein Cent zu viel! Die Stadt Weilburg hat kein Geld im Überfluss, im Gegenteil!

Es muss deshalb alles getan werden, um den Bau – trotz der Beschlusslage des Stadtparlaments – noch zu verhindern!

Joachim Warlies, Weilburg

Foto: Eine kurze Pause zum Nachdenken. Das war das Ziel eines SPD-Antrages beim Haushalt 2020. Allerdings gab es in der namentlichen Abstimmung keine Mehrheit dafür, wie das WEILBURGER TAGEBLATT am 11.2.2020 berichtet. (bk)

 
 

MdL Tobias Eckert