In den Odersbacher Lahnhängen befindet sich ein Biotop, das vom Wildbienen-Experten Karsten Klenke (Mitte) betreut wird. Ein Biotop vor der eigenen Haustür erkundeten die Teilnehmer einer Wanderung im Rahmen der SPD-Veranstaltungsreihe Odersbach Aktiv: Die Odersbacher Lahnhänge, die als schützenswertes Naturgebiet Wildbienen Lebensraum bieten. Dies wurde auch durch die Europäische Union bestätigt, die das Biotop als FFH-Gebiet (besonders schützenswert) einstufte.
Christian Radkovsky übernahm als Vorsitzender der SPD Odersbach die Begrüßung und stellte in dieser besonders die Bedeutung der Naturregion Lahntal für den heimischen Tourismus heraus. Mit der Veranstaltung wolle man daher mal einen ganz anderen und bewussten Blick auf diese heimische Landschaft werfen, die so viel zu bieten hat...
Die Wanderung wurde kompetent und kenntnisreich durch den Weilburger Wildbienen-Experten Karsten Klenke gestaltet. Schon als Schüler hatte er sich für Biologie begeistert. Der berufliche Weg führte ihn jedoch zur Polizei, wo er für die Verkehrssicherheit in der Stadt Frankfurt zuständig war. Seit seiner Pensionierung widmet er sich aber wieder vermehrt der alten Leidenschaft und engagiert sich in der Biologie und dem Naturschutz.
Sein Einsatz findet dabei in der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) statt. Im Rahmen des Arbeitskreises des Naturschutzvereins der HGON-Kreisgruppe betreut er das Odersbacher Wildbienen-Biotop.
So machte Klenke deutlich, dass Wildbienen eine wichtige ökologische Funktion erfüllen, da zahlreiche Wildpflanzen aber auch Kulturpflanzen wie Obstbäume oder Sträucher auf die Bestäubung durch Wildbienen angewiesen sind. Die kleinen Insekten sind dabei stark spezialisiert, in der Regel fliegen sie nur eine oder zwei unterschiedliche Pflanzen ganz gezielt an. Abhängig von deren Blütezeiten sind sie deshalb auch nur wenige Monate im Jahr aktiv.
Etwa 600 unterschiedliche Wildbienenarten sind bekannt – und knapp die Hälfte wurde schon einmal in Odersbach nachgewiesen. Sie finden hier in den Südhängen an der Lahn optimale Bedingungen, eine Mischung aus lockerer Erde als auch festem, felsenreichen Boden.
Der Erhalt durch Pflege dieser Bedingungen kann nur durch ehrenamtliche Arbeit sichergestellt werden. In Zusammenarbeit mit einem Schäfer wird beispielsweise dafür gesorgt, dass durch Beweidung erforderliche Freiflächen erhalten bleiben. Das ehemalige Wein- und Obstanbaugebiet in den Lahnhängen ist damit auch für viele andere Tiere wie beispielsweise Eidechsen attraktiv.
An anderer Stelle ist wiederum Zurückhaltung angebracht: Totholz wird nicht aus dem Biotop entfernt, denn ein toter Baum kann Wohnstätte für viele hundert Wildbienen und Insekten sein.
Den interessierten Teilnehmern stand Karsten Klenke Rede und Antwort, so dass diese nach einer sonnigen und erkenntnisreichen Wanderung mit vielen neuen Eindrücken nach hause zurückkehren konnten. (cr)