Der Pankgrafenplatz und die Macht der Gewohnheit

Veröffentlicht am 01.09.2018 in Stadtpolitik

Hier stehe ich, sagt der Stadtpfeifer in Weilburg. Hier kann aber auch eine Wohnanlage entstehen, sagt die SPD

Ein Beitrag von Hartmut Bock, Stadtverordneter, Weilburg

„Ich hab' mich so an dich gewöhnt“ - Ein bekannter Schlager aus der Nachkriegszeit ist auch heute noch aktuell. Denn die Macht der Gewohnheit spielt bei unterschiedlichsten Entwicklungen eine Rolle, dies war bei der Beratung zur Bebauung des Pankgrafenplatzes in der letzten Stadtverordnetenversammlung deutlich zu spüren.

Früher stand dort ein Haus, das ehemalige Bergamt, dies wurde beseitigt, um Licht und Luft für den Verkehr zu schaffen, der sich vor dem Bau der Stadtumfahrung durch die Innenstadt quälte. Jetzt haben wir uns an die neue Situation „gewöhnt“ so einige Redner, so auch Stimmen aus der städtischen Bevölkerung, so soll es jetzt bleiben.

Gewohnheit macht träge

Eine Argumentation die gefährlich ist, denn „Gewohnheit“ macht träge, sie tötet Innovation und verhindert eine zukunftsorientierte Entwicklung. Auch in Weilburg ist dies so, denn viele Dinge sind uns vertraut und stören nicht mehr. Egal, ob dies die Leerstände in der Innenstadt sind, die blinden Schaufenster, die fehlenden Geschäfte oder auch die Tretminen, auf denen wir ab und zu ausrutschen. Wir haben uns ja so daran gewöhnt. Kein Protest. Keine Anregung zur Änderung. Kein Aufschrei in der Bürgerversammlung. Nichts!

Initiative Innenstadt

Dabei geht es im Kern überhaupt nicht um den Pankgrafenplatz. „Initiative Innenstadt“ - so haben die Sozialdemokraten den Antrag überschrieben. Im Focus steht dabei die gesamte Vorstadt, vom Landtor bis zum Weltladen. Hier ist die „Dynamik der Stadtentwicklung“ seit Fertigstellung der Stadtumfahrung vorbei gelaufen. Leerstände, Geschäftsschließungen und verschmierte Schaufenster. Löwenzahn und Hundekot schmückt die Gehwege. Doch der Stadteingang ist wichtig. Hier entstehen für Besucher und Gäste die ersten Eindrücke, hier wird Meinung gebildet und hier fällt die Entscheidung zum Wohnen, Leben und Investieren in der Stadt. Es gibt dringenden Handlungsbedarf. Bei genauer Betrachtung handelt es sich um eine 1a-Lage. Während die Straßenseite leicht verschattet ist, bietet die Rückseite einen exklusiven Panoramablick in das Lahntal. Kein Nebel, keine Sichtbehinderung. Besser geht es kaum. In vorhandenen und auch in neuen Gebäuden kann moderner Wohnraum, attraktiv für jung und alt, entstehen. Auch die Straßenfront lässt sich aufwerten. Links und rechts gibt es beste Parkmöglichkeiten. Ideale Bedingungen zum Flanieren und für Handel, Gewerbe und Dienstleistungen. Die Stadt und kreative Planer sind gefordert, denn der gesamte Bereich benötigt eine städtebauliche Aufwertung. Erst dann wird die Frage nach der Nutzung und Bebauung von Freiflächen und dem Pankgrafenplatz abschließend geklärt. Hier liegen Chancen, die es zu nutzen gilt.

Interessant für Investoren

So wird das Gebiet auch interessant für Investoren, denen wir bisher immer den roten Teppich in Richtung Stadtrand und „Grüne Wiese“ ausgerollt haben, mit fatalen Auswirkungen auf die Innenstadt. Die Entwicklung eines intakten Zentrums wurde dadurch immer schwerer.

Neue Ideen und Impulse

Die Stadtentwicklung in Weilburg braucht neue Ideen und Impulse und ein klares Ziel. Das Festhalten an Gewohntem und an Gewohnheiten hilft nicht weiter. Auf keinen Fall dürfen wir die Entwicklung der Altstadt als „gottgegeben“ hinnehmen und alles „weiter so“ laufen lassen. Wir müssen die Defizite aufarbeiten und Investitionsschwäche, Geschäftsschließungen und auch die Bevölkerungsstruktur offen ansprechen und Gegenstrategien entwickeln. Kreative und finanzielle Kraft ist erforderlich, damit wieder ein attraktives und lebendiges Zentrum entsteht. Dabei gibt es bereits jetzt eine Reihe von Aktivitäten, die hoffnungsvoll stimmen. Die gelungene Saison der Schlosskonzerte in diesem Sommer und auch in den letzten Jahren gehört dazu. Die Altstadt mit Schloss und Stadtanlage ist ein Geschenk des Himmels, einmalig in Deutschland, ein Alleinstellungsmerkmal, wie es besser nicht sein könnte. Die Rahmenbedingungen sind gut, doch wichtig sind die Menschen in der Stadt, in der Politik und auch im Rathaus, die motiviert und mutig an diese Aufgabe herangehen müssen. Frischer Elan, neues Denken und Mut zum Gestalten sind gefordert. Die „Macht der Gewohnheit“ hilft nicht weiter, denn dies bedeutet Stillstand und Rückschritt.

Die ehemalige Katholische Kirche am Stadteingang von Weilburg. Jahrelang stand das Gebäude leer. Jetzt bietet sich die Chance des Ankaufs durch die Stadt Weilburg, um den gesamten Bereich aufzuwerten.
 

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MdL Tobias Eckert