Was wird aus dem Schlecker-Markt in Weilburg?
Der Zusammenbruch der Drogeriekette SCHLECKER ist ein harter Schlag für Tausende Mitarbeiterinnen, die einfach auf die Straße gesetzt werden. Kapitalismus pur - weil die FDP in Bund und Land eine Auffanggesellschaft verhindert hat.
Auch Weilburg ist betroffen
Doch es gibt noch weitere Auswirkungen. In Weilburg wird gespannt geschaut, was aus dem Schlecker-Markt in der Neugasse wird. Entsteht ein neues Geschäft, welches die Attraktivität des Standortes Weilburg steigert. Oder gibt es einen weiteren Leerstand, der das Ausbluten der Innenstadt beschleunigt. Die Verantwortlichen von Stadt und WWW sind hier gefordert, eine gute Lösung für Weilburg zu unterstützen.
Der besondere Clou
Einen besonderen Clou hat sich jetzt Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) geleistet. Sie setzt sich für die Umschulung von Schlecker-Mitarbeiterinnen zu Erzieherinnen ein. Fachlicher Unsinn sagt dazu der Jugend- und Kinderexperte Karl-Peter Wirth aus Odersbach, der dazu einen Leserbrief im Weilburger Tageblatt veröffentlichte, den wir nachfolgend wiedergeben:
„Frau von der Leyen von der Rolle
Die Schlecker-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können einem wahrlich leid tun. Sie stehen auf der Straße während sich die Firmeninhaber mit vollen Säcken in der Sonne brutzeln können. Bleibt zu hoffen, dass viele aus der Mitarbeiterschaft baldmöglichst eine andere Anstellung finden.
Der Vorschlag der Arbeitsministerin Dr. Ursula von der Leyen indes einen Einsatz - vielleicht in einem Drei-Tages-Schnellkurs - in der Betreuung von Kindern in Kitas zu ermöglichen, ist aber völlig daneben. Als ausgebildete Ärztin müsste sie eigentlich wissen, was eine qualifizierte Ausbildung bedeutet und dass man nicht nach Abwicklung eines Erste-Hilfe-Kurses in der Lage ist eine Gehirnoperation vorzunehmen.
Die Erzieherinnen in unseren Kitas leisten eine hochqualifizierte Arbeit, die eine lange Ausbildung voraussetzt. Um in Kindertageseinrichtungen tätig zu werden gilt inzwischen ein Fachkraftgebot, was in Anbetracht zunehmender Ansprüche, gerade im Bereich der frühkindlichen Bildung, wichtig und absolut richtig ist.
Hier darf zum Erhalt und auch zur weiteren Stärkung der Qualität kein Aufweichen erfolgen. Frau von der Leyen sollte bevor sie derartige Forderungen stellt, vorher nachdenken und sich ein Bild verschaffen. Der drohende Fachkräftemangel im Kita-Bereich darf nicht zu Ersatzlösungen führen, die der Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern abträglich sind. Anstelle dessen sollte man darüber nachdenken, den Erzieherinnenberuf durch bessere finanzielle Anreize, auch für männliche Erzieher, lukrativer zu machen. Hier besteht erheblicher Nachholbedarf. Auch muss das Ansehen und die Akzeptanz für das Berufsbild in der Öffentlichkeit größer und besser werden. Frau von der Leyen sorgt mit ihren Äußerungen gewiss nicht dafür.“ (bk)